Mehrwegverpackungen als Chance für Gastronomen Mehrweggeschirr Mehrwegpflicht

Mehrwegverpackungen als Chance für Gastronomen

Coffee to go oder die kleine Nudelbox beim Asiaten – Wir lieben es, unterwegs zu essen. Aus Zeitmangel oder einfach, weil es praktisch und günstiger ist. So entstehen in Deutschland laut Bundesregierung täglich 770 Tonnen Verpackungsmüll durch Einwegverpackungen. Eine Zahl, dessen Ausmaß auf den ersten Blick womöglich nicht einmal annähernd das tatsächliche Grauen verdeutlicht, das sie zu verantworten hat. Aber wussten Sie, dass ein Einmal-Kaffeebecher im Schnitt nur 10 Minuten und die praktische Supermarkt-Plastiktüte nur rund 25 Minuten im Einsatz ist? Was für uns eine kurzfristige Erleichterung im Alltag darstellt, bedeutet für etliche Geschöpfe der Tierwelt oft das Ende, da ihr Lebensraum und nicht selten die Tiere selber als Endlager für unsere Plastikabfälle fungieren. 770 Tonnen Verpackungsmüll pro Tag summieren sich auf 281.050 Tonnen im Jahr. Zur Veranschaulichung: dies entspricht 50000 Albatrossen, 45000 Delfinen, 50000 Kegelrobben sowie 1000 Pottwalen kombiniert mit 10 Eiffeltürmen und zwei Exemplaren des vermeintlich unsinkbaren Ozeanriesen „Titanic“.

Zeit zu handeln

Um die Verpackungsflut einzudämmen, die besonders zu Zeiten der Pandemie erheblich zunahm, verabschiedete der Bundestag im Mai 2021 eine aus dem neuen Verpackungsgesetz resultierende „Mehrwegpflicht“. Demnach werden Gastronominnen und Gastronomen ab Januar 2023 dazu verpflichtet, für ihr Außer-Haus-Geschäft, neben Einwegverpackungen, mindestens eine Mehrwegalternative anzubieten. So müssen zum Beispiel für alle angebotenen Größen eines to-go-Getränks vergleichbare Mehrwegbecher angeboten werden. Allerdings darf die Mehrwegalternative nicht teurer als die Einwegvarianten sein. Lediglich der Aufschlag eines Pfands, das der Kunde bei Rückgabe der Behältnisse erstattet bekommt, darf im Preis inbegriffen sein. Um den fairen Wettbewerb der sozialen Marktwirtschaft zu wahren, werden Verstöße gegen die Gesetzesänderung beziehungsweise das Inverkehrbringen von Verpackungen ohne Registrierung mit Bußgeldern belegt, die in Höhen von bis zu 200.000 Euro reichen können.

Wo überall gilt die Mehrwegpflicht?

Laut Gesetzgeber erstreckt sich die Mehrwegpflicht über alle sogenannten „Letztvertreibenden“, die Lebensmittelverpackungen aus Einwegkunststoff  in den Verkehr bringen. Kurzum: Jeder, der Speisen und Getränke in to-go-Verpackungen anbietet wie Restaurants, Bistros, Cafés, Lieferdienste, sowie Fast-Food-Ketten. Auch Kantinen, Betriebsgastronomien und Catering-Betriebe unterliegen der Mehrwegpflicht. Eine Ausnahme gilt für Kleinbetriebe mit weniger als fünf Mitarbeitenden, sowie einer Verkaufsfläche von unter 80 Quadratmetern. Die hiervon betroffenen Imbisse, Spätverkaufsstellen oder Kioske sind nicht zur Bereitstellung einer Mehrwegalternative verpflichtet, müssen ihre Speisen und Getränke auf Wunsch jedoch in mitgebrachte Behältnisse von Kunden füllen.

Abfüllen in mitgebrachte Behältnisse?

Wider Erwarten gibt es tatsächlich kein Gesetz, welches die Handhabung von mitgebrachten Behältnissen regelt. Somit ist es jedem einzelnen Händler und Ladeninhaber überlassen, wie er damit umgeht. Ehrlicherweise muss man hier auch zugeben: es ist nicht ganz einfach. Denn gemäß den Grundsätzen des Lebensmittelrechts ist der Inverkehrbringer für die Sicherheit der Lebensmittel verantwortlich und muss somit auch für die einwandfreie Beschaffenheit der Ware bis zum Beginn des Einfüllvorgangs garantieren. Da es sich beim Behältnis um Kundeneigentum handelt, wird für dessen Eignung oder Beschaffenheit jedoch keine Verantwortung übernommen. Um Ärger zu vermeiden, werden daher von den meisten Händlern keine mitgebrachten Gefäße als to-go-Verpackung akzeptiert.

Vorteile von Mehrwegverpackungen für Gastronomen

Vorteil in Zusammenhang mit Mehrwegverpackungen klingt eigentlich wie ein Widerspruch. Denn der Schritt Richtung Umweltbewusstsein wirkt für die Gastronomie auf den ersten Blick eher wie mehr Arbeit und eine Belastung. Wirtschaftswissenschaftler bestätigen jedoch: Bei näherem Hinsehen kristallisiert sich neben einem wertvollen Beitrag zum Umweltschutz aus Mehrwegverpackungen auch Vorteile und Chancen für Gastronomen heraus. Ein wichtiger Punkt hierbei ist die nachhaltige Steigerung der Kundenbindung. Zudem ermöglicht die Bereitstellung nachhaltiger Mehrwegverpackungen die Erschließung einer neuen, stetig wachsenden Zielgruppe. Denn die Zahl derer, die ein starkes Bewusstsein für umweltfreundliches Konsumverhalten entwickeln, nimmt ständig zu. Diese Tatsache kann ein Gastronom zu seinem Vorteil nutzen und schneller als andere und bereits vor der gesetzlichen Pflicht umstellen. Wer seiner Zeit voraus ist, wird positiv wahrgenommen. Ein weiterer Vorteil des Mehrwegsystems, gerade bei kleineren Betrieben, ist die langfristige Kostenersparnis. Bereits ab wenigen Take-Away-Portionen pro Woche lohnt sich der Umstieg, da ein Großteil der Kosten auf Einwegbehältnisse entfällt.

Natürlich ist die Anschaffung von Mehrwegverpackungen zunächst ein Kostenfaktor. Damit diese Investition nicht zum finanziellen Fiasko wird, unterliegt diese, wie auch Einwegflaschen oder seit kurzem zusätzlich Getränkedosen, einer Pfandpflicht. Davon ausgenommen sind bis 2024 nur noch Milchflaschen. Sie müssen sich also keine Sorgen machen, auf Ihren Kosten sitzen zu bleiben. Kleiner Tipp am Rande: Der Kunde nimmt das Mehrweggeschirr mit nach Hause, stellt es hin, bringt es zurück. Er muss sich zwangsläufig mehrfach damit beschäftigen. Warum also nicht das persönliche Logo oder Design anbringen? Insbesondere für Gastronomieketten oder Cateringunternehmen kann durch die Gestaltung der Mehrweglinie mit dem Firmenlogo zugleich sein Bekanntheitsgrad gesteigert werden.

Innovative Materialien, schöne Designs

In Sachen Mehrwegverpackung und Geschirr hat sich gerade in den letzten Jahren viel getan. Spätestens nach dem Verbot von Plastikstrohhalmen wurde die Branche kreativ und und es kann eine deutliche Veränderung hinsichtlich innovativer Materialien wahrgenommen werden. Mehrweg-Besteck, -Schalen, oder Burgerverpackungen aus nachhaltig, pflanzenbasierten nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, sorgen für hygienisches Verpacken und liefern gleichzeitig ein ansprechendes Design. Wir sind schon sehr gespannt, welche umweltverträglichen Lösungen noch gefunden werden und erweitern unsere Sortiment stetig. Schon jetzt haben wir eine Auswahl an Mehrwegverpackungen im Shop. Einfach mal stöbern und entdecken!

Was ist Ihre Meinung zur gesetzlichen Regelung der Mehrwegverpackung – oder haben Sie bereits umgestellt? Schreiben Sie uns einen Kommentar – wir freuen uns, von Ihnen zu lesen!

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